Neue Wohlfahrt: Was wäre, wenn wir nochmal ganz neu anfangen könnten?

„Not sehen und handeln, was tun und was nicht lassen?

Die Antwort ist: wir müssen konsequent von der Praxis her denken. Was braucht die Praxis, damit sie gut arbeiten kann. Was müssen andere Ebenen bereit halten und was auch nicht?

Es ist wieder wie zu den Gründerzeiten der Verbände: Die Aufgabe wird sein, der örtlichen Praxis den bestmöglichen Rahmen zu schaffen und auf der höheren Ebene exakt die Dienstleistungen bereit zu halten, die sie benötigen. Für alles andere ist kein Geld da. „

Zeitzuteilen

Wenn man (oder frau) alle Tradition, alles bisher Bekannte & Vertraute einfach über Bord werfen würde und nochmal ganz neu anfangen könnte, was würde dann geschehen?

Ein wenig geht es uns doch gerade so nach den Lock & Shut Downs. Wir philosophieren und reflektieren darüber, was uns diese (ungewollte) Auszeit gebracht hat.

  • Was haben wir gelernt?
  • Auf was wollen wir für immer verzichten?
  • Was ist eigentlich das Wesentliche?

Gestrandet. Auf der grünen Wiese.

Auch mir persönlich geht es so. Eben noch mitten in den Ballungsräumen finde ich mich mit Beginn der Lockerungen in der Pandemie auf der grünen Wiese in den schönen Landschaften Schleswig-Holsteins wieder und darf nochmal ganz neu anfangen. Und zwar mit allem: wohnen, leben, arbeiten.

Als wir beim letzten #SozialCamp über die Grüne Wiese diskutiert haben, wusste ich noch nicht, dass sie mir bald so ganz real begegnen würde.

Dazu passt, dass wir letztlich, ohne es zunächst…

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Herr M kotzt sich aus

Während des Lockdowns konnte Herr M das Wohnheim nicht verlassen. Er konnte in Ruhe lesen und puzzeln. Aber mehr war nicht drin. Die Heimsituation : ein Käfig. Sagt er. Dabei braucht er selber Hilfe, wenn er den Käfig mal verlassen will.

Findige Mitarbeiter*innen stellen einen Laptop in den Aufenthaltungsraum (das Wohnzimmer) mit dem betreut geskypt werden kann. Herr M tippt einen Bericht mit einem Editor. Der Bericht darf nicht veröffentlicht werden, weil nicht klar ist, ob das sein darf. Denn Herr M lebt beschützt. Herr M muss geschützt werden. So kotzt er sich auf 2 Seiten über die Situation im Heim aus. Es ist seine Schreibe. Die einen sagen, es sei falsches Deutsch. Die anderen sagen, es sei ein Bericht wie die Bottroper Protokolle (die mal auf unserem Lehrplan standen).

Herr M hat ein Telefon auf dem Zimmer stehen. Das knarzt und ist das letzte Mal vor etwa 2 Monaten abgewischt worden. Herr M kann nicht ohne Hilfe die Zahlen drücken. Seien die Tasten noch so groß, das Konzentrieren auf eine Bewegung macht ihm Mühe. Am Telefon ist er dann so emotionsgeladen, dass er schwer sprechen kann. Wenn sein Gegenüber das weiß, ist es gut. Andere legen schonmal auf, weil sie damit nicht klar kommen.

Herr M kann lesen und schreiben. Er sitzt im Rollstuhl und braucht Hilfe. Er ist langsam. Er ist ein Mensch. Und er musste die Einschränkungen der Corona-Pandemie gemeinsam mit seinen Mitbewohner*innen ertragen. Wenn alles gut geht, werden Sie seinen Bericht hier lesen.

Endlich wieder ins Wohnheim

Die Einen wollen rein, die anderen wollen raus. Ich war gestern mal wieder auf der Terrasse mit 3 Männern, von denen Einer sich kaum einkriegt vor Glück über diese Krankheit (wie er es ausdrückt), denn er muss nicht in die Werkstatt, muss nicht Schrauben in Kästen packen, kann in Ruhe für sich sein. Er redet flüssig. Als einziger in der Gruppe. Die anderen leiden. Einer legt den Kopf auf den Tisch. Er ist müde vom Mittagessen. Wir gehen gemeinsam eine Runde zum nahegelegenen Bauernhof, setzen uns auf eine Bank und grüßen die Spaziergänger*innen mit ihren Hunden. Endlich erzählt auch er. Schließlich gehen wir zurück. Der Dritte im Bunde sollte sich in der Zwischenzeit Schuhe anziehen, dann würden auch wir raus gehen. Aber das war wohl nur meine Idee. Er steht in Schluffen und Jogginghose da, wird prompt von einem Mitarbeiter angemault und will wieder ins Zimmer. Wir setzen uns trotzdem auf die Terrasse. Ich erzähle von unseren Ausflügen. Er erinnert sich. Wir planen neue Ausflüge. Dann ist die Besuchszeit vorbei.

Meine Besuche als Seelsorgerin in Wohnheimen sind Blindflüge. Es ist schwer, an Informationen dran zu kommen. Das ist nicht in allen Heimen so, aber in viel zu vielen. Angehörige, Freunde und Freiwillige (auch Ehrenamtliche) sind erschöpft. Die Einen ergehen sich in Selbstbeweihräucherung, sie erzählen von ihren Heldentaten und hören nicht zu. Die Anderen sagen gar nichts.

Die Pandemie wird noch dauern. Wir haben noch keinen Impfstoff. Das Besondere an dieser Zeit ist die ungeplante Offenlegung von Missständen. Hier: zu wenig Personal, Information statt Kommunikation, Missachtung von Menschenrechten. Die Herausforderung liegt in der zunehmenden Vielfalt menschlichen Lebens. One fits all gibt es für Menschen nicht. Auch nicht in der Pflege. Und es gilt immer noch:

Pflege ohne den Willen zur Erziehung ist Verwahrlosung.

quelloffene Barrierefreiheit

Wann ein digitales Angebot barrierefrei ist oder nicht, muss jeder Mensch für sich recherchieren, weil unsere Bedürfnisse unterschiedlich sind. Manche Anbieter gehen mit dem Thema offensiv um und stellen ihre Vorgehensweise und ihre Ziele online. Andere Anbieter werden per Zufall an bestimmten Stellen barrierefreier. Aktuelles Beispiel ist Twitter, die Sprachnachrichten zulassen, was für Blinde gut sein könnte, wenn wir nicht bereits über die WhatsApp-Nutzung zu Labertaschen verkommen wären. Abgesehen davon ist Twitter kein quelloffenes Angebot, das heißt: nur die Macher*innen können wissen, was sie tun.

https://platform.twitter.com/widgets.js

Quelloffen ist kein vertrautes Wort. Es bedeutet, was es sagt: die Quellen sind offen, wir wissen, woher es kommt, und wir wissen, welche Qualität es geht. Natürlich kann nicht jeder Mensch wissen, ob das wahr ist, aber es gibt eine Vertrauenskette wie beim Mineralwasser:

Wir sitzen nicht alle an der Quelle, aber die ist zugänglich und es sitzen Menschen an der Quelle, die darüber informieren, sich austauschen und Formulierungen finden, die weit entfernte Genießer*innen verstehen können.

Ein gutes Beispiel ist LibreChurch, ein Projekt, in dem der LUKi e.V. im Selbstversuch Erfahrungen austauscht, wertet, bearbeitet, kritisiert und für alle Menschen zugänglich macht. Auch dort sind Sprachnachrichten möglich. Auch dort sind Videokonferenzen möglich. Aber sie binden niemanden an einen Konzern, sondern wollen den Beweis erbringen, dass es geht: quelloffene Barrierefreiheit ist möglich.

Damit Quelloffenheit und Barrierefreiheit miteinander klar kommen, müssen reale Menschen sich austauschen. Noch genauer wird es von Begeisterten der Free Software Foundation formuliert:

nutzen

weitersagen

verändern

Das kennen wir aus der katholsichen Kriche. Wenn wir unseren Glauben als Getaufte ernst nehmen, müssen wir ihn nutzen, so wie wir ihn nutzen können. Wir müssen dabei bleiben, anpacken und den Glauben praktizieren. Wir sagen weiter, woran wir glauben. Und irgendwann kommen wir an einen Punkt, an dem wir nicht mehr nur das glauben, was wir gehört haben und davon sprechen, sondern eigene Worte und weitere Ausdrucksweisen dafür finden, von denen wir merken, dass sie besser verstanden werden.

wertvolle Links

Suchbewegung Seelsorge

Wir Seelsorger und Seelsorgerinnen laufen zur Zeit etwas aus dem Ruder. Sie können sich nicht vorstellen, wie stressig ungeordnete Tagesabläufe sein können. Aber ich will den Wald der Stellungnahmen nicht erweitern, sondern Ihnen quasi einen Stapel interessanter Beiträge auf den Desktop legen. Greifen Sie zu und bilden Sie sich Ihre Meinung.

Seelsorge in Coronazeiten

https://wordpress.com/read/blogs/174657676/posts/531

https://www.covid-spiritualcare.com/seelsorgliche-theologische-beitraeg

https://www.covid-spiritualcare.com/

Handreichung für Seelsorger und Seelsorgerinnen:
https://7b22a723-d18b-4f61-9b60-a0e89eb41dca.filesusr.com/ugd/f9562a_a31ba104844340479cbe4ce3b2821ed8.pdf

Podcastfolge „Die Seniorinnen im Blick“, ein Interview mit der Altenheimseelsorgerin Ulrike Baehr-Zielke aus Schladen:
https://radiopublic.com/kreuzgang-60okO7/s1!e6c47

Viel Freude bei der Lektüre (ob mit Augen oder Ohren). Wenn Sie die Liste ergänzen können, würde ich mich über einen entsprechenden Kommentar sehr freuen. Auch bitte ich um Kommentare, wenn Sie der Meinung sind, dass ich auf dem Holzweg bin, den falschen Blickwinkel habe, alles anders anfangen sollte.

Bleiben Sie behütet!

Lernen Sie Sprachen – Zum Beispiel Leichte Sprache und DGS

Sprachenlernen erweitert den Horizont. Davon kann ich ein Lied singen. Seit Beginn der Corona-Pandemie arbeite ich wöchentlich an dem Predigttext des jeweils kommenden Sonntags, der auf Offene-Bibel im Wiki in Leichte Sprache übertragen wird. Das ist keineswegs leicht, aber es vertieft mein Verständnis der Predigttexte.

Wie übersetzen Sie Heuchler?

Wie erklären Sie Lohn?

Glücklicherweise Sind wir ein Netzwerk und die meisten in der Offenen Bibel sind ExpertInnen in Sachen Exegese.

warum sollten die Briten Deutsch lernen?„warum sollten die Briten Deutsch lernen?“ by nchenga is licensed under CC BY-NC 2.0Zeitungsausschnitt, der dazu aufruft, Sprachen zu lernen. In diesem Fall geht es um das Verstädnis zwischen zwei Ländern.

Wenn es nach mir ginge, wäre das Lernen von DGS mein nächstes Vorhaben. Das ist eine echte Herausforderung. Heucheln ist kaum möglich (stelle ich mir vor), denn Mimik und Gestik sind Teil der Sprache. Ein schlichtes „Wie geht es dir?“ ist nicht mit einem „Gut“ zu beantworten, wenn ich dabei ein saures Gesicht mache. Wir müssen einander aufmerksam betrachten, wenn wir einander verstehen wollen. Wenn Sie Tipps haben, wie DGS am besten zu lernen ist, oder wenn Sie selber Erfahrungen mitteilen können, würde ich mich über einen Kommentar sehr freuen.

Hilfreiche Tools dank quelloffener Software

Videochat

Big Blue Button ist ein Videochatprogramm, das einige freundliche Menschen hosten, um anderen das Chatten zu ermöglichen. Es ist barrierefrei. Die Ergebnisse von Belastungstests werden von hilfreichen Menschen veröffentlicht, zum Beispiel hier: https://www.hostsharing.net/blog/2020/03/30/bigbluebutton-im-lasttest/

Nutzen können SIe es beispielsweise hier:

https://www.senfcall.de

Ein Student hat es für Sie eingerichtet.

Anmeldung

Wir können wieder Gottesdienste besuchen, aber unter hohen Sicherheitsauflagen. In Ihrer Gemeinde können Sie mit dieser App Anmeldungen zu Gottesdiensten verwalten:

https://www.wo2odermehr.de

Ein erfahrener Softwarentwickler stellt Ihnen das zur Verfügung.

Social Media

Sie müssen nicht da sein wo der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist. Sie können im Fedivers mit anderen kommunizieren und Nachrichten lesen und Fotos austauschen. Sie können, wenn sie es können, all dies selber hosten.

Statt Twitter: Mastodon.

Statt WhatsApp: Matrix.

Statt Instagram: Pixelfed.

Sie können sich registrieren auf Servern, die privat oder von Vereinen gehostet werden.


Wenn Sie Fragen haben oder eigene Ideen und Erfahrungen haben, würde ich mich über Ihren Kommentar sehr freuen. Der kommt auch anderen Lesern und Leserinnen zugute.

Ergänzungen

aus den Kommentaren:

https://terminplaner4.dfn.de/ als Alternative zu Doodle

Agiles Krisenmanagement. #Corona — Zeitzuteilen

Die Vögel zwitschern und die Forsythien blühen. Nach wochenlangem Regen drängt es die Menschen auf die Strasse. Kinder wollen sich mal so richtig austoben. Und dann das. Etwas nie dagewesenes passiert. Ein Ausnahmezustand. Die Bedrohung ist ein Virus. Ein unsichtbares Etwas, das gerade der globalen Gesellschaft größter Feind wird. Ende Januar war man in Deutschland […]

Agiles Krisenmanagement. #Corona — Zeitzuteilen

Dein Gottesdienst am Sonntag des Guten Hirten 2020

Mach dir keine Sorgen, ob du den richtigen Sonntag erwischt. In diesem Gottesdienst geht es um Nachfolge. Die Texte sind in einfacher Sprache, aber der Kurzfilm hat es in sich. Die PDF enthält alle Hinweise, die du für die Vorbereitung des Gottesdienstes brauchst:

ein Platz für die Osterkerze,

ein Platz für dich,

wenn du mit mehreren feierst, brauchst du eine Sandschale für Kerzen;
wahrscheinlich feierst du den Gottesdienst mit anderen per Internet, in dem Fall zeigt ihr euch einfach eure angezündeten Kerzen.

Hier der Link: https://inklusiv.bistum-essen.de/download/abendgebet-am-sonntag-vom-guten-hirten-2020/

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