Betroffene im Café -ungeordnet

Völlig unorganisiert treffen sich von Behinderung Betroffene in einem von Ehrenamtlichen organisierten Café am Rande der Stadt. Jeden Sonntag.

Von Behinderung Betroffene? Das sind Menschen mit Behinderung, Nachbarn, Eltern, … irgendwie genau die Menschen, die von Behinderung betroffen sind.

Da ist eine Mutter, deren Tochter bereits gestorben ist. Sie kommt jeden Sonntag. Denn da ist etwas gewachsen.

Da sitzt eine Familie, die längst weggezogen ist. Sie plaudern bei Waffeln und Eiskaffee mit den Eltern erwachsener Behinderter.

Da kommt der Vater einer Tochter ins Café, um Waffeln zu holen. Sie sitzen mit den Familie im Zimmer der Tochter, weil es ihr schlecht geht. Nun wissen wir auch das.

Anders als in Gemeinden münden diese Gespräche nicht in Gottesdiensten. Aber nehmen wir denn in Gemeinden die Sorgen der Menschen mit in unsere Gottesdienste?

Dieser Ort wird aufgesucht. Es ist ein Ort des Lebens. Wir teilen Freud und Leid. Diese Möglichkeit ist abhängig davon, dass Ehrenamtliche bereit sind, ihre Freizeit für eine gute Sache zur Verfügung zu stellen. In diesem Fall tun sie es gerne. Aber auch Ihnen liegen eine Menge Steine im Weg. Beispielsweise die völlig unplanbare Anweisung der Besitzer dieses Cafés, es für andere Aktionen bereit zu halten. Die kleine „Gemeinde“ weicht dann woandershin aus oder bröckelt für einen Tag auseinander, um in der Woche danach wieder zusammenzufinden.

Was brauchen wir?

Wir brauchen einen Ort. Der muss barrierefrei sein. Es muss verschiedene Stühle, Tische und Bänke geben, damit jeder seinen Platz findet.

Wir brauchen barrierefreie Toiletten, einen Pflegeraum und Personal, das assistieren kann.

Wir brauchen Ehrenamtliche, die gerne ein Café organisieren und sich bereitwillig auf Schulungen (beispielsweise in Erster Hilfe und Hygiene) begeben.

Wir brauchen Strom, Wasser und Wlan.

Alles andere organisieren wir.

Für die Anschaffung von Tellern, Tassen und so weiter brauchen wir Geld und Transportmöglichkeiten. Aber wenn eine ihr Café zur Verfügung stellte, ginge es auch ohne Geld. Ich denke, dass sowas in vielen Gemeindehäusern möglich wär.

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Generationenwechsel

In einer Pfarrei unseres Bistums hat mit den letzten Pfarrgemeinderatswahlen ein abrupter Generationenwechsel stattgefunden. Im Vorstand sind nicht nur Menschen ohne bisherige PGR-Erfahrung, nein, sie sind auch noch alle unter 30, einer von ihnen ist Schüler, eine ist Pädagogin (sie leitet die Sitzungen) und eine ist BWLerin (sie agieren kompetenzorientiert).

Dieses junge Leitungsgremium kennt keine Verpflichtungen und keine Seilschaften. Sie fragen, wenn sie was nicht verstanden haben, und lassen es sich erklären. Dabei kommt notwendig alles Dunkle ans Licht. Die Sitzungen sind nicht weniger lang als vorher, aber von Seiten der Leitung kommt viel Frische rein. Mitunter sehen die Alten Hasen aus mehrfachem Blickwinkel alt aus.

  • Wo kommen die Informationen her und wo gehen sie hin?
  • Wer agiert mit wem?
  • Wer ist verantwortlich und was bedeutet Verantwortung?
  • Wer hat Sitz und Stimme und wie viel Gewicht haben Stimmen?
  • Warum dauern Entscheidungsfindungen so lange?
  • Wer trifft Entscheidungen? Wo werden Entscheidungen getroffen?
  • Wie arbeiten die Gremien zusammen? Wie sind sie einander zugeordnet?

Fragen, die andere Pfarrgemeinderäte sich nicht stellen, werden hier zum Thema und bringen einen Gesprächsverlauf, der freundlich, langweilig begann, zum Explodieren. Die Sitzungsleitung bleibt sachlich, legt aber unbeirrbar den Finger in Wunden, so dass es ordentlich weh tut.

Digitalisierung

Der Sitzungsort ist nicht barrierefrei. Das entspricht der Gewohnheit. Aber es stehen Laptops und Tablets mit Tastatur auf den Tischen und einige Mitmenschen haben Smartphones in Händen. Immer wieder werden Beiträge mit Inhalten aus diesen Hilfsmitteln bereichert. Man schaut mal eben nach. Entweder sind die eigenen Notizen oder das World Wide Web eine nützliche Quelle.

Mit Sicherheit wird die Öffentlichkeitsarbeit dieser Pfarrei sich verändern. Die jungen Menschen im Vorstand strukturieren die Rückmeldungen aus den Gemeinden auf einem Plakat und machen unbeabsichtigt deutlich, dass alle über 40 die Prozesse verschleppen, weil sie in ihren Beiträgen deutlich machen, dass sie es gewohnt sind, dass sich nichts verändert. Aber die jungen Menschen im Vorstand haben damit keine Verträge. Sie leiten die Sitzung, fragen, tragen Informationen zusammen und fordern, ohne anzuklagen.

Mit Sicherheit wird es eine neue Webpräsenz geben. Die wird 2.0 sein. Das wäre schon mal ein Schritt. Aber möglicherweise wissen die jungen Menschen im Vorstand nicht, dass es schlimm steht für die Gemeinden in der Kirchenkrise und dass 2.0 schon ein Schritt nach vorne wäre. Der Inhalt für die Webpräsenz muss aus den Gemeinden kommen, aber die Denkweise der jungen Menschen ist bereits 3.0.

Ein Link

https://kirchen-kommunikation.de/

Kooperation statt konkurrenz

Bei der diesjährigen REHACARE in Düsseldorf wird es eine Veranstaltung zu Beratungen für Menschen mit Behinderung geben, die den Titel trägt

Kooperation statt Konkurrenz

Mich spricht der Titel an, weil es einerseits eine riesige Fülle an Anbietern und Angeboten gibt, andererseits noch viel zu viele Menschen nichts über ihre Möglichkeiten und Hilfsangebote wissen. Die Büros für ergänzende Teilhabeberatung stoßen an ihre Grenzen. Vielfach kämpfen Anbietende um Platz in der Öffentlichkeit und versuchen, sich als die Besten darzustellen. Das müssen sie, weil es um Refinanzierung geht. Wie kann es gehen, dass Menschen mit Hilfebedarf im Fokus sind?

Leider ist genau an dem Tag der weltweite Klimastreik von Fridays For Future.

10 Jahre Behindertenrechtskonvention – das Interview im Domradio

Im März feierten wir 10 Jahre Behindertenrechtskonvention. Feierten? Immerhin gibt es diese Konvention, die beinah überall auf der Welt in vergleichbarer Weise gilt und doch selten umgesetzt wird. In diesem Interview habe ich etwas herumgestottert. Denn: Was kann man sagen? Im Radio? Wer wird es hören?

In erster Linie ginge es mir darum, Menschen für Inklusion zu begeistern. Irgendwie gelingt das nicht gut unter den gegebenen Umständen.

Der Link zum Interview: https://www.domradio.de

Aber was sind 10 Jahre? Es geht weiter:

Essen anreichen : ein modernes Werk der Barmherzigkeit

Sie haben vielleicht bereits davon gehört, dass es zu wenig Pflegekräfte in unseren Heimen gibt. Ein großes Problem ist das Essen. Essen und Trinken sind persönliche Dinge und persönliche Zeiten. Oft ist dazu aber nicht genügend Zeit. Pflegekräfte kloppen Überstunden. Es spielt keine Rolle, ab es Verträge gibt, die Überstunden regeln. Es ist einfach nicht genügend Kraft und Zeit da, um alles tun zu können, was zum Leben dazu gehört.

In manchen Heimen gibt es Ergänzungskräfte, die Essen anreichen, spielen, spazieren gehen. Aber auch das reicht nicht mehr. Es werden Ehrenamtliche zu Senioren- und Behindertenhelfern ausgebildet. Aber auch das reicht nicht mehr.

Bei meinen Besuchen in Heimen bleibe ich manchmal auf einer Gruppe hängen, weil es schlicht unmöglich ist, das alles hinter sich zu lassen. Dann setze ich mich beispielsweise zu einer Dame mit Schluckbeschwerden. Das Personal stellt uns das Essen hin. Ich habe Zeit. Langsam und aufmerksam reiche ich das Essen an. Wann hat sie gekaut, wann möchte sie etwas essen, wann etwas trinken, was schmeckt ihr?

Das kostet Zeit. Aber es entschleunigt auch. Und es rückt Wichtigkeiten an realistische Stellen. Probieren Sie es aus.

10 Jahre Un-Behindertenrechtskonvention

Herr Krauthausen wies in seinem Newsletter auf ein Video aus München hin, das zwar lang ist, aber wunderbar den Stand der Dinge auf den Punkt bringt: Die Redenden eiern rum, denn es ist noch viel zu tun und ein bisschen droht unser Engagement unter den immer gleichen Barrieren unterzugehen.

Das Video ist lang. Aber wen es interessiert, … Sie wissen schon.

Es ist ein Link zu Vimeo, der Plattform für Videos

Wir müssen drüber sprechen. Und wir müssen sichtbar werden mit unserem Anliegen. Abgesehen davon gilt für Kirche: Inklusion war schon Teil unseres Auftrags, bevor es das Wort gab.

Lernbehinderung IST KEIN Kinderkram

Wir feierten einen Gottesdienst und sangen zum Schluß „Die Sonne hoch am Himmelszelt“. Das ist ein Kinderlied. Da dieser Gottesdienst in einer Komplexeinrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung stattfand, fand nur ich das doof.

Es fand ein Fest statt. Der Gottesdienst war ganz am Anfang. Vielleicht 20 % der Anwesenden nahm am Gottesdienst teil. Die Anderen bauten auf oder trafen sich. Es hat halt nicht jeder Mensch Freude an Kinderliedern im Gottesdienst.

Das erste Lied, das die Band auf der Bühne sang war „Wir wollen aufstehn“. Auch nicht die Krone der musikalischen Schönheit, aber immerhin singbar und in den eigenen Lebenskontext einzuordnen. Ich füge hier ein YouTube-Video einer Version dieses Liedes ein, die mir gut zu passen scheint.

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Wir könnten doch auch einen Gottesdienst feiern, in dem wir Lieder singen, die uns gefallen und die unsere Lebenssituation spiegeln. Das müssten Lieder sein, die wir auch sonst hören.

In dem Gottesdienst wurden Fürbitten vorgelesen von Menschen, die einen Zettel in der Hand hatten. Das Ganze war gut vorbereitet. Aber waren das die Fürbitten, die die Menschen, die nach vorne gekommen waren, aussprechen würden, wenn sie beten? Ich fürchte, das waren nicht die Fürbitten der Menschen, sondern die der Vorbereitungsgruppe, die keinen Fehler machen wollte. Erst nachdem alle Fürbitten verlesen waren, kam Leben in die Gemeinde. Wer wollte, konnte nach vorne kommen und eine eigene Fürbitte sagen. Eine Fürbitte war dann für die verstorbenen Eltern. Eine andere Fürbitte war unausgesprochen (ich weiß nicht). Eine andere Fürbitte vollkommen unverständlich. Aber wir sagten alle „Wir bitten dich, erhöre uns“, denn wir sind uns sicher, dass Gott auch das für uns Unverständliche versteht. Eine letzte Fürbitte war für ein schönes Fest.

Kinderkram ist für Kinder. Wir wollen unseren eigenen Kram.

Einer hat mir erklärt, warum er nie zum Gottesdienst kommt. Das sei Kinderkram, sagte er. Er fühle sich da nicht wohl. Er bleibe lieber draußen.


Vielen Dank an http://www.abseits-online.de/ für das schöne Lied.

Inklusion im Bistum Essen

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