Kooperation statt konkurrenz

Bei der diesjährigen REHACARE in Düsseldorf wird es eine Veranstaltung zu Beratungen für Menschen mit Behinderung geben, die den Titel trägt

Kooperation statt Konkurrenz

Mich spricht der Titel an, weil es einerseits eine riesige Fülle an Anbietern und Angeboten gibt, andererseits noch viel zu viele Menschen nichts über ihre Möglichkeiten und Hilfsangebote wissen. Die Büros für ergänzende Teilhabeberatung stoßen an ihre Grenzen. Vielfach kämpfen Anbietende um Platz in der Öffentlichkeit und versuchen, sich als die Besten darzustellen. Das müssen sie, weil es um Refinanzierung geht. Wie kann es gehen, dass Menschen mit Hilfebedarf im Fokus sind?

Leider ist genau an dem Tag der weltweite Klimastreik von Fridays For Future.

Werbeanzeigen

10 Jahre Behindertenrechtskonvention – das Interview im Domradio

Im März feierten wir 10 Jahre Behindertenrechtskonvention. Feierten? Immerhin gibt es diese Konvention, die beinah überall auf der Welt in vergleichbarer Weise gilt und doch selten umgesetzt wird. In diesem Interview habe ich etwas herumgestottert. Denn: Was kann man sagen? Im Radio? Wer wird es hören?

In erster Linie ginge es mir darum, Menschen für Inklusion zu begeistern. Irgendwie gelingt das nicht gut unter den gegebenen Umständen.

Der Link zum Interview: https://www.domradio.de

Aber was sind 10 Jahre? Es geht weiter:

Essen anreichen : ein modernes Werk der Barmherzigkeit

Sie haben vielleicht bereits davon gehört, dass es zu wenig Pflegekräfte in unseren Heimen gibt. Ein großes Problem ist das Essen. Essen und Trinken sind persönliche Dinge und persönliche Zeiten. Oft ist dazu aber nicht genügend Zeit. Pflegekräfte kloppen Überstunden. Es spielt keine Rolle, ab es Verträge gibt, die Überstunden regeln. Es ist einfach nicht genügend Kraft und Zeit da, um alles tun zu können, was zum Leben dazu gehört.

In manchen Heimen gibt es Ergänzungskräfte, die Essen anreichen, spielen, spazieren gehen. Aber auch das reicht nicht mehr. Es werden Ehrenamtliche zu Senioren- und Behindertenhelfern ausgebildet. Aber auch das reicht nicht mehr.

Bei meinen Besuchen in Heimen bleibe ich manchmal auf einer Gruppe hängen, weil es schlicht unmöglich ist, das alles hinter sich zu lassen. Dann setze ich mich beispielsweise zu einer Dame mit Schluckbeschwerden. Das Personal stellt uns das Essen hin. Ich habe Zeit. Langsam und aufmerksam reiche ich das Essen an. Wann hat sie gekaut, wann möchte sie etwas essen, wann etwas trinken, was schmeckt ihr?

Das kostet Zeit. Aber es entschleunigt auch. Und es rückt Wichtigkeiten an realistische Stellen. Probieren Sie es aus.

10 Jahre Un-Behindertenrechtskonvention

Herr Krauthausen wies in seinem Newsletter auf ein Video aus München hin, das zwar lang ist, aber wunderbar den Stand der Dinge auf den Punkt bringt: Die Redenden eiern rum, denn es ist noch viel zu tun und ein bisschen droht unser Engagement unter den immer gleichen Barrieren unterzugehen.

Das Video ist lang. Aber wen es interessiert, … Sie wissen schon.

Es ist ein Link zu Vimeo, der Plattform für Videos

Wir müssen drüber sprechen. Und wir müssen sichtbar werden mit unserem Anliegen. Abgesehen davon gilt für Kirche: Inklusion war schon Teil unseres Auftrags, bevor es das Wort gab.

Lernbehinderung IST KEIN Kinderkram

Wir feierten einen Gottesdienst und sangen zum Schluß „Die Sonne hoch am Himmelszelt“. Das ist ein Kinderlied. Da dieser Gottesdienst in einer Komplexeinrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung stattfand, fand nur ich das doof.

Es fand ein Fest statt. Der Gottesdienst war ganz am Anfang. Vielleicht 20 % der Anwesenden nahm am Gottesdienst teil. Die Anderen bauten auf oder trafen sich. Es hat halt nicht jeder Mensch Freude an Kinderliedern im Gottesdienst.

Das erste Lied, das die Band auf der Bühne sang war „Wir wollen aufstehn“. Auch nicht die Krone der musikalischen Schönheit, aber immerhin singbar und in den eigenen Lebenskontext einzuordnen. Ich füge hier ein YouTube-Video einer Version dieses Liedes ein, die mir gut zu passen scheint.

YouTube nutzt Ihre Daten. Das sollten Sie wissen, bevor Sie klicken.

Wir könnten doch auch einen Gottesdienst feiern, in dem wir Lieder singen, die uns gefallen und die unsere Lebenssituation spiegeln. Das müssten Lieder sein, die wir auch sonst hören.

In dem Gottesdienst wurden Fürbitten vorgelesen von Menschen, die einen Zettel in der Hand hatten. Das Ganze war gut vorbereitet. Aber waren das die Fürbitten, die die Menschen, die nach vorne gekommen waren, aussprechen würden, wenn sie beten? Ich fürchte, das waren nicht die Fürbitten der Menschen, sondern die der Vorbereitungsgruppe, die keinen Fehler machen wollte. Erst nachdem alle Fürbitten verlesen waren, kam Leben in die Gemeinde. Wer wollte, konnte nach vorne kommen und eine eigene Fürbitte sagen. Eine Fürbitte war dann für die verstorbenen Eltern. Eine andere Fürbitte war unausgesprochen (ich weiß nicht). Eine andere Fürbitte vollkommen unverständlich. Aber wir sagten alle „Wir bitten dich, erhöre uns“, denn wir sind uns sicher, dass Gott auch das für uns Unverständliche versteht. Eine letzte Fürbitte war für ein schönes Fest.

Kinderkram ist für Kinder. Wir wollen unseren eigenen Kram.

Einer hat mir erklärt, warum er nie zum Gottesdienst kommt. Das sei Kinderkram, sagte er. Er fühle sich da nicht wohl. Er bleibe lieber draußen.


Vielen Dank an http://www.abseits-online.de/ für das schöne Lied.

Frauen und Kirchenstreik

Kann man überhaupt streiken als Kirchenmitglied? Normalerweise streiken Menschen für mehr Gehalt oder Rechte. Aha. Rechte. Das könnte im Fall von Frauen im Kirchenstreik passen. In meiner Heimatgemeinde sind viele Frauen sehr angetan von dem Kirchenstreik. Sie finden es gut. Sie finden, dass es Zeit wird, dass Frauen und Männer in der Kirche gleichgestellt sind. Gestreikt wird trotzdem nicht. Sie wollen nicht, dass der Pastor denkt, sie hätten was gegen ihn. Aber sie wollen ein Gebet sprechen. Ganz unauffällig.

Der Kirchenstreik wird am Samstag beginnen und eine Woche dauern. In der Zeit wollen Frauen keine Dienste innerhalb der Kirche verrichten. Sie denken dabei an Küster- und Lektorendienste. Sie wollen außerhalb der Kirchengebäude beten. Auch Ordensfrauen nehmen an dem Streik teil. Initiiert wurde er von Frauen in Münster. Das Ganze firmiert unter dem Titel Maria 2.0.

Es gibt viele Initiativen, die dezentral und unabhängig voneinander entstehen.

Bereits am II. Vatikanischen Konzil nahmen Frauen teil, deren Ideen und Erfahrungen öffentlicht wurden:
https://www.deutschlandfunk.de/das-anliegen-der-frauen-beim-zweiten-vatikanischen-konzil.886.de.html?dram:article_id=223591
https://www.aschendorff-buchverlag.de/detailview?no=13138

Christiane Florin ist eine bekannte Journalistin, deren Buch „Weiberaufstand“ in unserer Gemeindebücherei auszuleihen wäre:
Weiberaufstand https://www.weiberaufstand.com/

Die Katholische Frauengemeinschaft wird 2019 im September eine Aktionswoche durchführen, die Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche zum Inhalt hat:
https://www.kfd-bundesverband.de/aktionswoche/

Aus der Schweiz kommt eine Gebetsinitiative:
https://www.gebet-am-donnerstag.ch

Aber was machen wir?

Was mache ich? Beten.

Was machen Sie?

Geschlechtergerechtigkeit ist auch ein Thema der Inklusion. Wir wissen, dass wir in die Kirche alle gleich sind. Wir sind Brüder und Schwestern. Wir Frauen tun uns allerdings schwer, die Stimme zu erheben. Wir wollen niemandem weh tun. Und viele Frauen haben Gewalterfahrungen. Sie halten sich zurück, weil sie so was nicht nochmal erfahren wollen. Das haben sie gemeinsam mit vielen Menschen, die behindert sind. Wir sind alle gleich, aber doch werden Frauen und Menschen mit Behinderung ausgegrenzt. Das soll nicht so bleiben. Ich bin überzeugt, dass es schädlich für die Kirche ist, für die katholische Kirche ist, zu der ich gehöre und in der ich arbeite, wenn wir unglaubwürdig sind. Darum nehme ich all meinen Mut zusammen und kämpfe mit den mir gegebenen Mitteln. Ohne Verletzungen wird es nicht gehen. Aber anders als manche vermuten, geht es nicht um Krawall, sondern um Gerechtigkeit. Hilfreich ist immer, wenn wir vernetzt agieren können. In der Kirche nennen wir so etwas: Gemeinschaft. Wenn wir miteinander kämpfen, werden wir unsere Ziele erreichen.

Ich bin gespannt, wie das wird.

Neue Subdomain für Inklusion

Wir haben für das Bistum Essen eine neue Subdomain erarbeitet, die zum Aktionstag am 5. Mai 2019 freigeschaltet wird. Wir wollen Menschen erreichen und vernetzen. Unser Arbeitskreis ist direkt auf der Startseite zu sehen. Wir sind fünf hauptberuflich Tätige, die in verschiedenen Bereichen als Behindertenseelsorger tätig sind. Aber wir wollen mehr. Denn wir erfahren, dass unsere Angebote nicht reichen. Müssten nicht viel mehr Menschen unsere Angebote nutzen? Wo sind denn all die Menschen mit Behinderung in unseren Gemeinden? Wir haben viele Fragen und Ideen, wie Menschen mit Behinderung in unserem Bistum präsent sein können. Und wir wollen, dass alle wissen, dass Sie sich an uns wenden können, wenn sie wollen. Klar ist: Wir sind nicht die Experten, aber wir haben viel Erfahrung gesammelt und wollen Veränderung. Wir wollen Kirche auf Augenhöhe. Wir wollen, dass niemand ausgeschlossen ist.

Am 5. Mai 2019 geht es los mit: https://inklusiv.bistum-essen.de .

Der Start ist nur möglich, weil Herr Jens Albers aus der Kommunikationsabteilung unseres Bistums und Herr Tim Allgaier von der Agentur telos-communications uns mit ihrem Fachwissen und ihrer Erfahrung geholfen haben. Dafür sind wir sehr dankbar.

Jetzt liegt es an uns, wie es weitergeht.

Wir freuen uns, wenn Sie zu uns stoßen – ob durch Beiträge, Mitteilungen, Kritik, Vernetzung oder noch ungeahnte Zusammenarbeit.

Inklusion im Bistum Essen

Erstelle deine Website auf WordPress.com
Jetzt starten